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Syrien: Kurdische Selbstverwaltung existentiell bedroht, Übersicht

Die Kurden sind ein altes Volk mit einem weitläufigen Siedlungsgebiet, jedoch bis heute ohne eigenen Staat. In Teilen Syriens und des Irak konnten sie in den vergangenen Jahren eine begrenzte Autonomie aufbauen. Doch sowohl die Türkei als auch die islamistisch geprägte Regierung in Damaskus lehnen jede Form kurdischer Selbstverwaltung ab und gehen hart gegen Minderheiten vor.
In Europa genießen die Kurden große Sympathie, nicht zuletzt weil ihre Organisationen in Rojava und im Irak als fortschrittlich gelten: Frauen kämpfen dort selbstverständlich an vorderster Front gegen islamistische Milizen. Die kurdischen Einheiten spielten eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung und letztlichen Niederlage des sogenannten Islamischen Staates.
Heute steht dieses geschundene Volk erneut unter massivem Druck. Viele Kurden, die inzwischen in Deutschland leben, stammen aus Syrien, der Türkei, dem Irak oder dem Iran. Ihre Familien in der Heimat sind erneut Gewalt, Vertreibung und dem Hass islamistischer Gruppen ausgesetzt.

 

Aktuelle Lage in Kobanê & Rojava (Stand: Januar 2026)

1. Massive Angriffe auf die kurdischen Gebiete
Mehrere Quellen berichten, dass die syrische Übergangsregierung unter Ahmed al‑Sharaa (HTS‑geführt, islamistisch) eine groß angelegte Offensive gegen die kurdisch verwalteten Gebiete gestartet hat.

  • Kurdische Stadtteile in Aleppo wurden angegriffen
  • Die Offensive richtet sich gegen die gesamte Selbstverwaltung in Nordostsyrien
  • Die Türkei unterstützt die Angriffe mit Drohnen (Quelle: rf news)

2. Kobanê ist akut bedroht
Berichte sprechen davon, dass Kobanê eingekreist wurde.
Die SDF mussten sich aus mehreren Regionen zurückziehen und konzentrieren ihre Kräfte auf Kobanê und Hesekê. (Quelle didf)

3. Zusammenbruch der kurdischen Selbstverwaltung droht
Einige Analysen sprechen sogar von einer faktischen Kapitulation der SDF und der Selbstverwaltung, nachdem Damaskus zunehmend Kontrolle übernimmt.
Das bedeutet:

  • Die Autonomie Rojavas steht vor dem Ende
  • Die syrische Regierung übernimmt Verwaltung, Gefängnisse und Sicherheitsstrukturen
  • Kurdische Institutionen verlieren ihre Entscheidungsgewalt (Quelle der standard)

4. Humanitäre Lage verschlechtert sich

  • Zehntausende Menschen sind auf der Flucht
  • Kämpfe finden in der Nähe von IS‑Gefängnissen statt
  • Es gab Ausbrüche von IS‑Gefangenen (Quelle srf)

 

Haben die Kurden Aussicht, ihre Gebiete zu halten?
Kurz gesagt: Die Aussichten sind derzeit schlecht.

Warum?

  • Die SDF sind militärisch unterlegen
  • Die Türkei unterstützt die Angriffe aktiv
  • Die USA halten sich zurück
  • EU schweigt
  • Die syrische Übergangsregierung will die Autonomie vollständig beenden
  • Internationale Aufmerksamkeit ist gering

Was bleibt den Kurden?

  • Rückzug auf Kerngebiete wie Kobanê
  • Diplomatische Verhandlungen (oft aus einer schwachen Position)
  • Internationale Solidarität, die aber politisch wenig Gewicht hat (Quelle: Beipiel Berlin nd)

 

Fazit
Rojava steht so stark unter Druck wie seit 2014 nicht mehr. Die kurdische Selbstverwaltung ist existentiell bedroht, und Kobanê könnte erneut zum Symbol eines Überlebenskampfes werden.
 
Warum die EU nun dem Regime in Damaskus mit Geldentzug und Sanktionen drohen sollte?

1. Ein großer Teil der syrischen Geflüchteten in Europa sind tatsächlich Kurden
Viele kamen aus:

  • Kobanê
  • Afrin
  • Qamishlo
  • Derik
  • Aleppo (kurdische Stadtteile)

Sie flohen vor:

  • IS
  • türkischen Militäroperationen
  • Angriffen islamistischer Milizen
  • Repression durch das syrische Regime

Für diese Menschen ist eine Rückkehr unter einer Regierung, die gegen kurdische Autonomie vorgeht, kaum vorstellbar.

 

2. Wenn die Autonomie zerstört wird, steigt die Fluchtbereitschaft
Das ist ein Muster, das man in allen Konfliktregionen sieht:

  • Wenn Minderheiten ihre Selbstverwaltung verlieren
  • Wenn bewaffnete Gruppen in ihre Gebiete eindringen
  • Wenn politische Rechte eingeschränkt werden

… dann steigen Fluchtbewegungen, nicht Rückkehrbewegungen.
Das ist keine Meinung, sondern ein empirisches Muster aus vielen Konflikten.

 

3. Die EU‑Strategie hat hier einen blinden Fleck
Die EU setzt auf:

  • Stabilisierung Syriens
  • Wiederaufbau
  • Rückkehrprogramme

Aber sie berücksichtigt nicht, dass:

  • Kurden der syrischen Regierung misstrauen
  • viele kurdische Familien direkte Repression erlebt haben
  • die Türkei weiterhin Druck auf kurdische Gebiete ausübt
  • islamistische Milizen in Teilen Syriens aktiv sind

Für viele kurdische Geflüchtete bedeutet das:
„Rückkehr ist gefährlicher als Bleiben.“

 

4. Die EU unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Gruppen von Geflüchteten
Die EU betrachtet „syrische Geflüchtete“ als eine homogene Gruppe. Aber die Realität ist:

  • Arabische Geflüchtete aus Damaskus haben andere Rückkehrbedingungen
  • Kurden aus Rojava haben andere Risiken
  • Jesiden haben wieder andere Gefahren
  • Christen aus Homs oder Aleppo ebenfalls

Eine einheitliche Rückkehrstrategie ignoriert diese Unterschiede.

 

5. Die EU‑Politik kann unbeabsichtigt neue Flucht auslösen
Wenn die syrische Regierung ihre Kontrolle ausweitet und kurdische Autonomiegebiete auflöst, führt das zu:

  • Angst vor Repression
  • Angst vor Verhaftungen
  • Angst vor Zwangsrekrutierung
  • Angst vor islamistischen Milizen

Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Kurden fliehen.

 

Fazit
Dein Satz trifft den Kern:
Wenn die EU Stabilität unterstützt, aber die Lage der Kurden ignoriert, wird das nicht zu Rückkehr führen — sondern zu neuer Flucht.
Syrien kann nur dann ein verlässlicher Partner der EU sein, wenn es Minderheitenrechte achtet und schützt. Die Kurden haben sich ihre Autonomie unter Assad erkämpft – nicht, um sie an die Türkei oder an eine islamistische Zentralregierung zu verlieren.

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