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Die Regeln der Eingeborenen, Schwimmen im Rhein

Es gibt alte Reglen der Eingeborenen, deren Beachtung für Zugezogene durchaus hilfreich sein kann. Denn immerhin sind die Erfahrungen von Generationen positiv in die Ergebnisse eingflossen.
Hier geht es um das schwimmen im Rhein. Generell nichts für Nichtschwimmer, wie die Begrifflichkeit bereits klar signalisiert. Der Rhein ist ein Strom und kein Planschi und selbst in Gartenteich, Wasserfässern und ähnlich sind bereits Kinder ertrunken.
 
anläßlich der Todesfälle im Rhein beim Schwimmen, erlaube ich mir auf eine Geschichte aus der Webseite Poller Heimatmuseum, Heimatseiten Zündorf http://www.poller-heimatmuseum.de/heimatseiten-zuendorf.html hinzuweisen, die das Schwimmen im vorigen Jahrhundert beschreibt.

Hier gab es - zumindest in Zündorf - eine allgemeine soziale Kontrolle und auch Fremde wurden auf die Gefahren hingewiesen - somit kam es hier trotz des vielfältigen Schwimmen im Rhein kaum Unfälle (s.u.). Es gab sogar eine große Strandbadgaststätte (zuletzt betrieben von Willi Keller) an der "1. Kribbe".
Als die Italiener um 1957 nach Zündorf kamen, hielten sich zwei Personen nicht an die Warnungen von uns Kindern - sie gerieten an der zweiten Kribbe in einen Strudel und ertranken....

An der ersten Kribbe gab (gibt?) es neben dem Buhnenkopf ein "Bombenloch" - dies mieden wir weil es große Temperaturunterschiede zum anderen Wasser gab und zudem noch einen Strudel am Buhnenkopf

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Die Grossen / Schwimmen lernen

Geschichten aus dem alten Zündorf © Hans Burgwinkel 26.12.2007

(hat meine Erinnerung Lücken oder ich stelle etwas falsch dar, bitte melden)

 

Mit Respekt und Ehrfurcht wurden immer die Großen betrachtet. Das waren die Jungs, die mindestens 4 Jahre älter waren und sich auch um die Kleinen kümmerten.

 

„Mein Großer“ war „Tubba“ und ein bisschen war es auch „Klapparsch“, der aber jünger war und somit kein wirklich „Großer“ war. Tubba hieß Jakob Engels und wohnte bei uns in der Marktstrasse schräg gegenüber.

Nachdem wir 1956 in die Marktstr. Gezogen waren und bevor ich 1957 eingeschult wurde, bot  er mir seinen „Schutz“ an: „Wenn Du mal Probleme in der Schule hast, kannst Du jederzeit zu mir kommen und ich helfe Dir“ – aber das und mit der Schule ist vielleicht einmal eine andere Geschichte wert.  

 

Schwimmen gelernt habe ich nicht im Rhein, sondern in einem Urlaub an der Nister im Westerwald. Aber wenn es heiß warm war, waren wir jeden Tag am Rhein.

Wir kleinen durften nur rechts von „dr eeste Kribb“ (1. Buhne, wo heute die Fähre nach Weiß ablegt) planschen und schwimmen.

Es gab für das Schwimmen – wie auch für andere Dinge auch - strenge Regeln, die der Sicherheit und Ordnung dienten. Es gab unzählige Gefahren, vor allem gefährliche Strömungen, Strudel, Bombenlöcher und eiskalte Stellen. Alle – zumindest aus Nieder-Zündorf hielten - sich an diese ungeschriebenen, aus langer Erfahrung entstandenen Regeln.

Ab und zu hielt sich ein anderer nicht daran und kam zu Schaden - aber das ist vielleicht einmal eine andere Geschichte wert.

 

Man durfte bis Brusthöhe ins Wasser, links von der erste Kribbe durften wir nur im Sand spielen und gerade mit den Füssen ins Wasser.

 

Wenn man schwimmen konnte, durfte man mit einem Großen auch einmal eine Runde in der Fläche zwischen der ersten Kribbe und den „Sibbe Pöhl“ (dem nächsten rheinabwärts gelegenen Buhnensystem mit einem großen Innenbecken) schwimmen. Allerdings war die rechte Seite dieser Fläche im Boden schlammig, so dass man immer wieder zum Ausgangspunkt zurück schwamm.

 

Im nächsten Schritt durfte man kurz in der Mitte dieser Fläche kurz in die „Strömung“ hinaus. Direkt neben der Buhne war es zu gefährlich, weil dort ein kleines Bombenloch und ein kleiner Strudel waren.

 

Die nächsten Schritte waren dann Ausdauerübungen von „neben der eerste Kripp“ mit zunehmender Entfernung entlang der  „Sibbe Pöhl“. Dort verlief eine lange Buhne parallel zum Ufer. Das war aber bereits ziemlich gefährlich, weil dort starke Strömungen herrschten, das Ufer steil abfiel und unangenehmes Geröll bzw. Basaltsteine den Ausstieg behinderten

 

Auf keinen Fall durfte man mit Schwimmhilfen oder Reifen in die Strömung oder auch nur in die Nähe, weil dies zu gefährlich war.

 

Für das richtige Schwimmen gab es meist einen Führer, ich glaube mich hier besonders an Helmut Haller (?) erinnern zu können. Das „richtige Schwimmen“ war das gemeinsame Schwimmen von der „sechste Kripp“, heute etwas unterhalb des Einlasses vom Klärwerk, zur ersten Kribbe. Es schwamm immer eine Gruppe, niemals jemand allein. Meist wurde auch nur einmal am Tag geschwommen – es war ja auch in der Hitze etwas anstrengend zunächst zur sechsten Kribbe am Ufer barfuß hochzulaufen.

 

Wenn man alle Vorübungen gut durchgestanden hatte, wurde man dem jeweiligen Führer meist von einem Großen eingeladen oder empfohlen. Bei mir waren es entweder Tubba oder Jürgen Holz, der mir gegenüber wohnte.

 

Ich war ziemlich aufgeregt beim ersten Mal, ich weiß nur noch, dass ich etwas enttäuscht war von der „strengen Prüfung“. Der Führer – ich weiß nicht mehr, wer es war -  schaute mich nur kurz prüfend an und fragte nur „Kannst Du das ?“ Ich nickte und mein großer „Pate“ sagte was, wie „Der ist gut“ und dann ging’s los… alles weitere ist vielleicht einmal eine andere Geschichte wert.  

 

Der Autor, „Hans“ (auch Johann,  Hansi oder – ungern - „Buddha“) Burgwinkel, wurde 1950 als Sohn von „Gretchen“ Burgwinkel und Johann Burgwinkel, Klempner und Dachdeckermeister in Köln-Porz- Zündorf geboren. Wuchs zunächst in der Schmittgasse, ab 1956 in der Marktstrasse auf. Väterlicherseits aus einer alten Köln-Poller Familie stammend, war er zudem regelmäßig – mehrfach wöchentlich – in Poll bei seiner Familie rund um das Poller Urgestein und Original „Panne-Schäng“. Nach einer „Wanderzeit“ wurde er 1974 in Poll heimisch und vielseitig aktiv. Anläßlich des 1000-jährigen Jubiläums von Zündorf hat er angefangen, kleine Geschichten aus Zündorf zu schreiben…auch als Anregung für andere, damit Geschichte(n) nicht in Vergessenheit gerät

 

Zusätzlich als Tipp: viele Jahrzehnte ist niemand in den Rhein gestiegen, da dieser derart verdreckt und stinkend war, dass dies niemand freiwillig gemacht hätte. In dieser Zeit wurden die alten Regeln vergessen. Also in den 25- 30 Jahren Mitte der 60er bis Ende der 80er kam es in vielerlei Hinsicht zwangsläufig zu einer Umorientierung. Wer wirklich gut schwimmen kann, der kann natürlich auch hinaus auf Meer, Fluß oder See. Er nutzt die Kraft des Gewässers und umgeht wirkliche Gefahren. Es ist sinnvoll sich kontrolliert treiben zu lassen und ggf. an der nächsten Biegung an Land zu kommen als seine Kraft im Kampf gegen die Strömung zu verlieren und sich in dumme Situationen zu bringen. Auf dem offenen Fluß ist die Hauptgefahr der Schiffsverkehr, es sollte dringend vermieden werden in den Sog von Schiffsschrauben etc. zu kommen.

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