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Hertie, das Gebäude steht nach 5 Jahren Leerstand endlich zum Verkauf

Die Kommunen früherer Hertie-Standorte haben erfolgreich mit Druck den Wartestand bekämpft
Foto von Jochen Geis: Ein Bild aus glücklicheren Tagen, die letzte Leiterin des Kaufhauses Hertie in Porz (Frau Trotta) sowie die beiden letzten Auszubildenden des Hauses und deren Ausbildungsleiter.
Hertie und andere "Schrottimmobilien": Eine Baurechtsänderung sollte den Befreiungsschlag bringen
28 deutsche Städte kämpfen unverändert mit einem gemeinsamen Problem: Den Hinterlassenschaften der Hertie-Pleite, die sich in den meisten Fällen als vergammelnde Leerstandsimmobilien in guter Lage darstellen und zahlreiche Innenstädte in eine Einzelhandelskrise ziehen. Die eine Stadt kämpft mehr (z.B. Bingen) , die andere weniger (z.B. Köln)
Mit einer koordinierten Vorgehensweise entfalteten die betroffenen kommunen Druck und mediales Aufsehe um das Elend des Leerstandes zu beenden, um endlich diese "Schrottimmobilien" nutzen und städtebaulich entwickeln zu können. Der neueste Coup des Sprecherrats, der sich unter Führung des Binger Oberbürgermeisters Thomas Feser - Initiator und Motor der Bewegung - auf Burg Klopp traf, ist ein Vorstoß, der politisch ganz weit oben ansetzt: beim Bundesrat. Gefordert wird nicht weniger als eine Novellierung des bundesweit gültigen Baugesetzbuchs. Und er zeigt gleich Wirkzung. Heute wurde bekanntgegeben, dass die immobilien nun einen Ansprechpartner für deren Verkauf erhalten haben. Die Stadt Köln bestätigte dies.
Zukunftsperspektive für Porz-Mitte
Es kommt Bewegung in das Projekt „Hertie-Warenhaus“ in Köln-Porz
In die Reaktivierung des ehemaligen Karstadt- und später Hertie Warenhauses in der City von Köln- Porz kommt jetzt endlich Bewegung. Wirtschaftsdezernentin Ute Berg hat mit großer Freude zur Kenntnis genommen, dass der mit der Unterstützung der Verwertung von leer stehenden ehemaligen Hertie-Warenhäusern beauftragte Asset-Manager, die Firma CR Investment Management in Berlin, eine Verwertungsvereinbarung mit dem Insolvenzverwalter der holländischen Objektgesellschaften und dem Vertreter der Sicherungsgeber geschlossen hat. Die Vereinbarung erlaubt nun den Verkauf der derzeit 26 noch nicht veräußerten ehemaligen Hertie Warenhäuser, teilte CR- Manager Herr Sebastian Mogos- Lindemann mit. Das Verkaufsverfahren auch des Hauses in Köln- Porz wird dadurch erleichtert. CR hat zuletzt die Hertie-Häuser in Stade, Peine, Meschede, Husum und zwei weiteren Städten verkauft und will binnen zwei Jahren sämtliche Objekte an den Mann bringen. Die Stadt Köln ist deshalb nunmehr auch in der Lage mögliche Interessenten über die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen zu beraten und einen Kontakt zur Firma CR zu vermitteln. Die Stadt Köln ist Eigentümerin der inzwischen geschlossenen Tiefgarage unter dem Friedrich- Ebert- Platz in Köln- Porz. Diese Garage hat in der Vergangenheit den Stellpatzbedarf des benachbarten Warenhauses befriedigt. Jeder mögliche Käufer wird deshalb an einer Klärung, wie die Tiefgarage für seine Investition nutzbar gemacht werden kann, interessiert sein. Das Liegenschaftsamt hat die relevanten Informationen bereits zusammengetragen und stellt sie auf Nachfrage möglicher Käufer gerne zur Verfügung. „Wir werden im Interesse aller Beteiligten vor Ort den künftigen Erwerber mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen“, sagt Wirtschaftsdezernentin Berg. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Jürgen Roters wird sie auch weiterhin alles daran setzen, die zentrale Adresse für die Porzer Mitte wieder mit Leben zu erfüllen. „Wir hoffen sehr, dass sich jetzt eine Reihe von Interessenten um dieses Objekt bewerben.“
Unter dem Eindruck leerstehender Hertie-Kaufhäuser in Innenstädten fordern rund 30 Kommunen ein generelles Zugriffsrecht auf verfallende Gebäude nach fünf Jahren. "Wir werden eine Bundesratsinitiative einfordern", sagte der Binger Oberbürgermeister Thomas Feser, beim Treffen des Sprecherrats ehemaliger Hertie-Standorte. Ziel sei es, dass die Kommunen die Immobilien künftig notfalls selbst vermarkten könnten. Andere Kommunen haben im Vorfeld zum 5. Jahrestag des Leerstandes bereits Zwangsversteigerungstermine und ähnliches festgelegt (wir berichteten in einer Übersicht der Maßnahmen). Die Stadt Köln und der Stadtbezirk Porz haben sich keinesfalls in dieser Frage hervorgetan. Der Druck anderer Städte, wie die Androhung weiterer Maßnahmen bis hin zur Enteignung zeigen nun Wirkung.
Das Gremium schlug eine Änderung des Baugesetzbuches vor. Gemeinden sollen demnach die Möglichkeit bekommen, leerstehende Immobilien nach fünf Jahren zu bewerten und Käufer zu suchen. Die Kosten dafür trage der bisherige Eigentümer, so der Vorschlag. Er erhalte anschließend den Kaufpreis. Dies sei keine Enteignung, sondern nur "eine Beschleunigung" des Verkaufs, hieß es in einem Papier. Der Vorschlag soll über die Bundesländer mit betroffenen Städten in den Bundesrat eingebracht werden.
Ansprechpartner waren bislang schwer auffindbar und dies erschwerte den Verkauf
Für 20 Gebäude gebe es mittlerweile Interessenten, drei seien bereits verkauft, teilten die Bürgermeister mit. Die Verhandlungen mit den Eigentümern seien jedoch sehr schwierig gewesen - unter anderem habe ein Ansprechpartner im Firmengeflecht rund um Hertie gefehlt. Erst seit Ende 2012 sei es Investoren möglich, in direkte Kaufverhandlungen für Hertie-Häuser einzusteigen. "Ein zweiten Fall Hertie muss man verhindern", sagte Feser.
Die 1882 gegründete Warenhauskette Hertie war 1993 vom Karstadt-Konzern übernommen worden. 2005 verkaufte KarstadtQuelle 74 Häuser an britische Finanzinvestoren. 2008 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Rund 2600 Mitarbeiter verloren ihren Job.
Die Firma Hermann Tietz, gegründet von Oscar Tietz mit dem Kapital seines Onkels Hermann Tietz, eröffnete ihr erstes Geschäft am 1. März 1882 in Gera. Es nannte sich „Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weiß- und Wollwarengeschäft Hermann Tietz“ und hatte bereits einige Merkmale moderner Warenhäuser, wie festgelegte Preise, keine Stundung oder Anschreiben und ein vielfältiges, branchenübergreifendes Angebot.
1926 übernahm Hermann Tietz, inzwischen unter der Leitung von Oscar Tietz' Söhnen Georg und Martin Tietz sowie von Hugo Zwillenberg, das Berliner Kaufhausunternehmen A. Jandorf & Co., zu dem unter anderem das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin-Schöneberg gehörte. 1927 waren im Unternehmen 13.000 Angestellte tätig.
Das Unternehmen Hermann Tietz konzentrierte seine Geschäfte auf den Süden und Osten des Deutschen Reiches, während die von Oscar Tietz' Bruder Leonhard Tietz gegründete Firma (später Kaufhof) ihre Filialen im Westen Deutschlands und in Belgien betrieb.
Nach einer Anlaufphase von sechs Jahren folgten die Eröffnungen der Filialen in Weimar (1886), Bamberg, München (1889) und Hamburg (1896). 1900 schließlich wurde der Unternehmenssitz nach Berlin verlegt. Unweit des damals größten Warenhauses Europas, Wertheim am Leipziger Platz, siedelte die Firma Hermann Tietz in der Leipziger Strasse einen konkurrierenden Konsumtempel mit eigener Kellerei an. In großen, luxuriösen Warenhauspalästen wie diesem wurde den Kunden ein neuartiges Einkaufserlebnis geboten. Für den Bau des 1904 eingeweihten Warenhauses am Alexanderplatz wurde das Lessinghaus abgerissen. Nach und nach eröffnete die Firma in der Reichshauptstadt zehn Warenhäuser und verfügte damit dort über die größte Verkaufsfläche. In Hamburg folgte 1912 das „Warenhaus Hermann Tietz“ (seit 1935 Alsterhaus) am Jungfernstieg. Die Firma Hermann Tietz, gegründet von Oscar Tietz mit dem Kapital seines Onkels Hermann Tietz, eröffnete ihr erstes Geschäft am 1. März 1882 in Gera. Es nannte sich „Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weiß- und Wollwarengeschäft Hermann Tietz“ und hatte bereits einige Merkmale moderner Warenhäuser, wie festgelegte Preise, keine Stundung oder Anschreiben und ein vielfältiges, branchenübergreifendes Angebot.
Arisierung des Unternehmens (Zwangsenteignung aus vorgeblich rassistischen Motive)
Die Abkürzung des Firmennamens Hertie wurde während des Faschismus zur offiziellen Bezeichnung, da der jüdische Name Tietz nicht mehr geführt werden sollte. Er setzte sich aus den Anfangsbuchstaben des bisherigen Firmennamens Hermann Tietz zusammen. Im Zuge der "Arisierung" sogenannter jüdischer Unternehmen im Faschismus setzte 1933 die Dresdner Bank Georg Karg als Geschäftsführer des Kaufhauskonzerns ein. 1939/1940 kaufte Georg Karg Hertie auf. Zusammen mit dem größten unter dem Namen Hertie geführten Warenhaus (Hertie München, Bahnhofplatz) steuerte Karg damit einige der größten Warenhäuser in Deutschland.
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