Porzer Illustrierte     Das Onlinemagazin seit 2003

Porz Köln NRW News Porzer Illustrierte www.porz-illu.de

 

  • Poll
  • Porz-Mitte
  • Urbach
  • Wahnheide
  • Zündorf

 

Sie sind hier

Luther 2017 Kein Grund zu feiern, eher zum Nachdenken

Seine Anhänger gehören zu den einflußreichsten Politikern des Landes, Bundepräsident ist einer seiner Priester, die Bundeskanzlerin ist eine Pfarrerstochter, die NRW Ministerpräsidentin ist von der katholischen zu seiner evangelischen Kirche übergetreten, ihre Stellvertreterin von den Grünen ist ebenfalls evangelisch, die Vorsitzende der Grünen ist Vorsitzende der Evangelen und der einzige Linke in einem hohen Staatsamt der Ministerpräsident von Thüringen ist ebenfalls evangelisch. Sie sind wie ein Krebsgeschwür im deutschen Staatsapparat, dass hat seit Einführung des Glaubens und insbesondere durch die Hegemonie der Preussen Tradition, Die Evangelen waren von Beginn an sehr Fürstennahe, sie hassten die Aufständischen Bauern, sie hassten egalitäre Ansätze (Thomas Müntzer der Bauernanführer und Priester war sehr egalitär, Luther war Elitenkompatibel).
Luther lebte nach der Entdeckung Amerikas, wenn man überlegt wer da alles schon schlaue Ideen verbreitete. Leonardo da Vinci war schon tot,Marco Polo bereits seit hunderten Jahren tot, Luther war Zeitgenosse von Giordano Bruno, der sich bereits in ganz anderen Horizonten bewegte. Wie kann man Luther feiern, bei dieser Sachlage? Es spielen religiöse Gründe mit, und kommt Religion ins Spiel ist es mit Objektivität bekanntlich nicht allzuweit her.
Die Protestanten führen zu den Großtaten des Martin Luther zweierlei an:

95 Thesen wider den Missbrauch des Ablasses des jungen Luthers, sicherlich ein vorzeigbarer Akt, allerdings gab es radikalere Gegner des Ablasses und der Katholischen Kirche
Die Bibelübersetzung des älteren Luthers, ebenfalls kein Alleinstellungsmerkmal, Münzer und andere hatten bereits vor ihm deutsch in ihren Kirchen eingeführt. Auch gab es viele frühere Übersetzungen auch in Deutsch
748 entstand mit dem in den Mondseer Fragmenten enthaltenen Matthäusevangelium in althochdeutscher Sprache die älteste überlieferte Übersetzung eines Bibelteils in ein deutsches Idiom.
Um 800 gab Karl der Große die Revision der lateinischen Bibel durch den großen Gelehrten Alkuin in Auftrag.
Nach der ersten Bibelübersetzung ins Deutsche im Jahre 748 entstanden in den folgenden Jahrhunderten viele weitere Übersetzungen, insgesamt sind etwa 70 deutsche Übersetzungen vor der  Reformation nachweisbar.
Im 11. Jahrhundert zeigt die kommentierende Übersetzung des großen Gelehrten Notker Labeos „eine neue Stufe übersetzerischen Könnens“, was sich anhand seiner Bibelzitate vor allem in der Freiheit der Wortstellung gegenüber der Vorlage ablesen lässt.
Die über 50 Wien München Evangelien gelten als Überreste der einzig bekannten Bibelübersetzung des 12. Jahrhunderts.
Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden auch außerhalb der Klöster eine Vielzahl z. T. hochwertiger mittelhochdeutscher Übersetzungen, auf die Martin Luther und andere zurückgreifen konnten. Luther schrieb seine Bibel 1545 in Frühneuhochdeutsch, 80 Jahre nach Mentelin in der gleichen Sprache.
1466 druckte Johannes Mentelin ein Druckpionier in Straßburg die Übersetzung der lateinischen Bibel ins Frühneuhochdeutsche, die Mentelin-Bibel. Sie wurde die erste gedruckte deutsche Bibel, zudem war sie die erste in einer Volkssprache gedruckte Bibel überhaupt. Sie war mehr oder weniger eine Wort-für-Wort-Übersetzungen der Vulgata. Der Text wirkte auch damals altertümlich und schwer verständlich, die Übersetzer vermieden so jedoch, von der katholischen Kirche als Häretiker verurteilt zu werden. Gedruckt gab es eine ganze Reihe von vorlutherische deutsche Bibeln, so werden die achtzehn deutschen Bibeldrucke genannt, die vor der Herausgabe der Lutherbibel in Deutschland erschienen. Die Zeit ihrer Herausgabe umfasst die Zeit von 1466 bis 1522.
Die Periode der frühneuhochdeutschen Sprache wird ungefähr von 1350 bis 1650 angesetzt. Es ist kein modernes Deutsch, wir sprechen nicht die Sprache Luthers, er hat die deutsche Sprache nicht erfunden, die meisten von uns sind heutzutage nicht einmal mehr in der Lage kompliziertere Texte des 19. Jahrhunderts zu verstehen.
Hier ein aufschlußreicher (moderner christlicher) Film zu Luther, der aus heutiger Sicht ein erster Untertan, ein barbarischer primitiver Volksverhetzer wäre. Ein Fürstenschleimer und Bauernmörder. zum Film auf youtube (43 Minuten)
Ein heutiger Politiker der dieser Person öffentlich huldigt muss sich von dieser Person auch distanzieren, eine Verherrlichung dieser Person ist nicht zeitgemäß, ist antidemokratisch, strafrechtlich relevant verfolgbar. Das hat nichts mit Religionsfreiheit zu tun, dass ist eine Beleidigung der Aufklärung, der Moderne. Es gab Jahrtausende vor ihm und auch in seiner Zeit kultiviertere, modernere, zivilisiertere Menschen, wie zum Beispiel sein Zeitgenosse Thomas Münzer. Über Münzer gibt es gute theologische Artikel hier und vom Kommunisten Friedrich Engels einem der kultiviertesten Deutschen überhaupt eine Abhandlung über die deutschen Bauernkriege.
Was hat Luther bewirkt:
- er griff Partei für die Fürsten gegen die aufständischen Bauern
- er bekämpfte aktiv relativ fortschrittliche und sozialistisch im damaligen Sinne orientierte Prediger wie Thomas Münzer
- er schürte dümmste, primitivste Vorurteile gegen Andersgläubige, "Hexen", Abweichler, Behinderte und hielt diese barbarische Sicht über Jahrhunderte am Leben und verband diese sogar mit volksverhetzerischen Mordaufrufen.
- er hat Deutschland mit seiner Reformation die Vorraussetzung für den schlimmsten Krieg geschaffen, den "Glaubenskrieg" der "30 jährige Krieg" in einigen Ländern Deutschlands gab es 66% Bevölkerungsrückgang
- bis vor 30 Jahren 1983! wurde zwischen Katholiken und Evangelen noch wegen "Mischehen" gestritten, noch heute gibt es diesbezüglich Probleme (ob es erlaubt sei wenn Katholiken und Evangelen untereinander heiraten) Artikel bei Wikipedia
- die Evanglen brachten noch mehr "Hexen" auf den Scheiterhaufen als die Katholiken und verseuchten das Denken mit ihrem Untertanendenken über Jahrhunderte in Deutschland
- Preußen war durch und durch protestantisch und führte im frühen 19. Jahrhundert (!!!) erneut einen Glaubenkampf gegen Katholiken im Rheinland, die "Kölner Wirren" und die Proteste der Katholiken waren ein wichtiger demokratischer Prozeß für die Katholiken.
- der preußische Kaiser (Oberhaupt der Protestanten) der den 1. Weltkrieg befeuerte und Hitler der den 2 Weltkrieg provozierte, waren Verehrer Luthers. Beide haßten Karl Marx, die Arbeiterbewegung (wie Luther in seinem Jahrhundert die Bauernbewegung), damit läßt sich Luther politisch unzweifelhaft rechtsaussen verorten.
Von daher ist es ein Treppenwitz der Geschichte, dass heute angeblich liberale Menschen wie die oben aufgezählten Personen auf Martin Luther stehen und diesen 2017 groß feiern wollen. Es können Luther nicht persönlich alle Folgen seiner Lehre über die Jahrhunderte persönlich anlastet werden, jedoch befinden sie sich in einem ungebrochenem Kontext. Er war wie der Filmbeitrag zeigt, ein Brandstifter, ein wie wir heute sagen würden Rechtsextremer auch zu seiner Zeit, mit Sicherheit kein Linker, kein Demokrat, kein Humanist, kein Feingeist, kein Menschenfreund.
Damit fiel er weit hinter den Religionsstifter zurück und verhielt sich ähnlich verblendet wie viele seiner Anhänger bis ins Mittelalter, die mit dem Schwert den katholischen oder orthodoxen Glauben in Europa, im Nahen Osten und Nordafrika verbreiteten. Auch in Deutschland wurde mit Gewalt christianisiert.
 

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer