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10. Journalistenreise der EnergieAgentur.NRW:
Energieforschung in Nordrhein-Westfalen hat viele Facetten
„Energieforschung in NRW – Der Schlüssel zur Energiewende“ – das Motto der 10. Journalistenreise, zu der die EnergieAgentur.NRW zusammen mit dem Cluster EnergieForschung.NRW eingeladen hatte. In Begleitung von Wissenschaftsministerin Svenja Schulze besuchten über 25 Medienvertreter drei Einrichtungen, die das Forschungsland Nordrhein-Westfalen stellvertretend repräsentieren: das Labor- und Servicecenter (LSC) des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Gelsenkirchen, das Gas- und Wärme-Institut (GWI) in Essen und das Institut für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft (ie3) der Technischen Universität Dortmund.
„Wir haben Energie und Nachhaltigkeit zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor in unserem Land gemacht und Nordrhein-Westfalen als das Forschungsland für die Energiewende in Deutschland etabliert“, sagte Ministerin Schulze zur Begrüßung der Reiseteilnehmer in Düsseldorf. „Wir brauchen Wissenschaft und Forschung, um zu klären, wie diese notwendigen, aber noch kaum miteinander vernetzten Technologien ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvoll zusammen eingesetzt werden können. Denn das wird der entscheidende Faktor sein, wenn die Energiewende mit all ihren Facetten gelingen soll.“ Zu einigen dieser Facetten informierte sich die Ministerin auf der Reise eingehend: So ging es unter anderem um die Weiterentwicklung der Solarenergie, neue Möglichkeiten zur Stromspeicherung, den Ausbau von Kraft-Wärme-Kopplung und die Entwicklung neuer Stromnetze.
Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW und Manager des Clusters EnergieForschung.NRW (CEF.NRW), erläuterte ergänzend: “Der Cluster EnergieForschung.NRW arbeitet im Auftrag des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen an der Umsetzung der energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Zielvorgaben der Landesregierung im Bereich der Energieforschung. Der Cluster zielt darauf ab, dass technologische und sozioökonomische Erkenntnisfortschritte schneller als bisher ihren Weg in die Anwendung finden. Dazu initiiert der Cluster Forschungs- und Entwicklungsprojekte in der koordinierten Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen mit der Wirtschaft.“
Die erste Station der Fahrt führte nach Gelsenkirchen, wo Dr.-Ing. Dietmar Borchert die Arbeit des Labor- und Servicecenters des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme vorstellte. Dort wird derzeit an speziellen Messsystemen für die Photovoltaik geforscht, zudem werden Materialien für die Solarzellenherstellung charakterisiert. Die Herstellung und Optimierung von Silizium-Dünnschicht-Zellen und von Hybridzellen auf der Basis von amorphem und kristallinem Silizium gehört ebenfalls zu den Aufgaben. „Die Umstände hier sind ideal. Wir können produzieren wie in einer Fabrik und experimentieren wie in einem Labor“, sagte Borchert bei einer Führung durch die Labore des LSC. Nicht nur Wissenschaftsministerin Schulze, auch die Journalisten zeigten sich beeindruckt von der Arbeit des LSC, das sich längst auch als Dienstleister für die Photovoltaik-Industrie etabliert hat, in dem es beispielsweise deren Produktionen einer Qualitätskontrolle unterzieht. Eines der größten Probleme, mit denen die Photovoltaik-Industrie derzeit kämpft, ist die Konkurrenz durch Billigprodukte aus dem asiatischen Raum. Laut Borchert stammen 80 Prozent der im vergangenen Jahr verbauten Photovoltaik-Module aus Asien. Dazu Ministerin Schulze: „Wir können hier in Deutschland vielleicht nicht günstiger produzieren. Aber dank der Forschung können wir deutlich bessere, effektivere Produkte herstellen.“
Von Gelsenkirchen aus ging es weiter nach Essen zum Gas- und Wärme-Institut. Prof. Dr.-Ing. habil. Klaus Görner als wissenschaftlicher Vorstand und Dr.-Ing. Rolf Albus als geschäftsführender Vorstand stellten zwei Schwerpunkte ihrer Arbeit vor: Zum einen die dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungs-Technologie (KWK), zum anderen die „Power2Gas“-Technologie (P2G). Bei letzterem handelt es sich um ein Verfahren, mit dem künftig die Speicherung von Energie, insbesondere von Strom, in größerem Umfang möglich sein könnte – im Hinblick auf die Energiewende und die Erneuerbaren Energien ein entscheidendes Kriterium. „Beim P2G-Verfahren wird überschüssiger Strom aus Wind und Sonne genutzt, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Der Wasserstoff wird dann als Energieträger genutzt und kann ins Erdgasnetz eingespeist werden“, erklärte Görner. Um die Technik der Kraft-Wärme-Kopplung zu verdeutlichen, führte Albus die Ministerin und die Journalisten in ein Demonstrationshaus, das in Größe und Aufbau einem normalen Einfamilienhaus entspricht. Der entscheidende Unterschied: Das Haus verfügt über unterschiedlichste Techniken zur Energieversorgung und ermöglicht dank Langzeitmessungen viel genauere Ergebnisse als Laboruntersuchungen und Computersimulationen. Unter anderem stellte Albus verschiedene Technologien zur Kraft-Wärme-Kopplung vor, die gleichermaßen Strom und Wärme hocheffizient erzeugen. Albus ist überzeugt, dass diese Technik Potenzial hat. „Noch sind allerdings die Investitionskosten zu hoch, die produzierten Stückzahlen sind zu gering.“ Er hofft auf das KWK-Impulsprogramm, das vom NRW-Klimaschutzministerium aufgelegt wurde und das helfen soll, den Einsatz von KWK-Anlagen verstärkt auszubauen.
Die dritte und letzte Station der NRW-Tour bildete das Institut für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft (ie3) an der TU Dortmund. Dort gewährte Frau Prof. Johanna Myrzik, stellvertretende Leiterin des ie3, einen Einblick in ihre Arbeit und erklärte, warum neue Energienetze für eine Energiewende unverzichtbar sind. „Wenn wir über die Stromnetze der Zukunft sprechen, müssen wir über effizientere Netze sprechen“, machte sie deutlich. Der starke Zuwachs dezentraler Energieumwandlungsanlagen auf der Basis erneuerbarer Energien und ein gleichzeitig immer höherer Energiebedarf erfordern ein Umdenken. So wird das künftige Stromnetz nicht nur die elektrische Energie verteilen, sondern zusätzliche weitere Aufgaben wie etwa die Speicherung von Energie- und Kommunikationsaufgaben hinsichtlich der Koordination zwischen Energienachfrage und Angebot übernehmen. Bei der Planung neuer Transportnetze müsse man nicht nur mögliche Netze simulieren, sondern auch Marktsimulationen einbinden.
Internet: http://www.energieregion.nrw.de und http://www.cef.nrw.de
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