Massendemo und breiter Protest gegen Atomenergie

Überall im Lande klebt Atomkraft nein Danke

Was tun wenn es so nicht mehr weitergehen soll

Jochen Geis

Alle sind nun gegen den Atomstrom, selbst die FDP will nun abschalten, aussteigen. Konservative und Liberale haben bereits mehrere Generationen von Atomkraftgegnern niederknüppeln lassen, eine wie die Geschichte zeigt barbarische Fehlentscheidung. Entscheidend für den Sinneswandel ist der drohende Supergau im leidgeprüften Japan, aber Gründe gibt es viele- Angefangen vom unlösbaren Endlagerproblem bis hin zu maroden und unsicheren Atommeilern. 250.000 aktive Bürger demonstrierten am letzen Wochenende auch in Köln für den Ausstieg, eine vielfache Zahl der Bürger lief in Sympathie mit. Ein Aufbruch geht durchs Land. Ob nun die richtigen politisch profitieren bleibt fraglich, die Partei die Grüne hat kein Alleinstellungsmerkmal in dieser Frage und ist zudem Aufgrund Ihrer Staatsraison vielen Atomkraftgegnern höchst suspekt.

Wer tatsächlich sicher gehen möchte, dass nur regenerativer Strom verbraucht wird kann letztlich nur auf bundesweit vier Anbieter zurückgreifen. Diese vier garantieren, dass Sie über ausschließlich regenerative Energien verfügen, die Sie anbieten könne. Alle anderen Anbieter vertreiben auch regenerative Energien, teils aber nur über aufgekaufte Zertifikate. So wird das Zertifikat beispielsweise von österreichischen oder norwegischen Wasserkraftanbietern aufgekauft und der eigene Atomstrom erhält somit ein grünes Label. Die Norweger und Österreicher verkaufen somit den eigenen grünen Strom z.B. an Industrieanlagen als nicht regenerative Energie. Somit wird aus dem grünen Strom in Österreich durch diesen Tauschhandel Atomstrom und umgekehrt aus Atomstrom hier ein regenerativer. Dieses Bäumchen Wechsel dich Spiel macht in der Bilanz keinerlei Sinn, da unter dem Strich nur die Ware anders etikettiert wird.

Die vier sauberen sind zum Teil aus der Antiatombewegung entstanden und kleine lokale Genossenschaften. Derartige Strukturen lassen sich auch in Porz aufbauen. Die Stadtwerke Troisdorf haben es mit einem eigenem Solarlfeld (Bild) gezeigt und auch in Porz gibt es bereits eine Biogasanlage die wesentlich mehr Strom produzieren könnte als bislang genutzt wird. Nach eigener Recherche wäre eine Energiegenossenschaft in Porz in der Lage in Porz regenerative Energien für 30 – 40% der Haushalte binnen 10 Jahren zu produzieren. Hierzu wäre eine Gesellschaft zu gründen interessierte Bürger zahlen einen Anteil ein, mit diesem Geld wird in die Anlagen investiert. Würden 10% der Haushalte entsprechende Einlagen machen wäre die Versorgung dieser 10% Haushalte sicherlich absehbar zu sichern. Wer diese Idee interessant findet wendet sich bitte an die Redaktion.

Denn ob die vier reinen Anbieter des regenerativen Stromes die große Nachfrage erfüllen können ist absehbar auszuschließen.

Wer verdient am Ökoboom?

Den Löwenanteil am Geschäft mit dem Ökoboom sichern sich nach Aussage des Institutes für soziale Dreigliederung (was immer das bedeuten mag) die vier großen Atomstrom -  die Anbieter E.on, RWE, EnBW und Vattenfall. Man kann sich die Relationen ungefähr vorstellen, wenn man den gesamten Jahresumsatz von Ökostrom in Deutschland mit dem Jahresumsatz der vier Ökostrom - Anbieter vergleicht. 2006 wurden in Deutschland insgesamt 22,9 Milliarden Euro mit erneuerbaren Energien umgesetzt; abzüglich des Umsatzes aus der Errichtung von Anlagen bleibt ein Umsatz von 11,3 Milliarden Euro aus der Stromversorgung ( Quelle: BMU). Die vier Ökostrom - Anbieter in Deutschland, Lichtblick, EWS Schönau, Naturstrom und Greenpeace Energy haben 2006 zusammen knapp 0,27 Milliarden Euro umgesetzt - inklusive des Umsatzes aus der Errichtung von Neuanlagen.

39 Millionen Haushalte in Deutschland werden mit Strom versorgt, knapp 400.000 davon mit Ökostrom von einem der vier Ökostrom-Anbieter. Daraus errechnet sich keineswegs ein Marktanteil von 15%, sondern eher von 1%. Immerhin. Vielleicht hätte man in der Vergangenheit die Einfachheit eines Wechsels nicht ganz so sehr betonen sollen. Es ist in der Tat ein leichtes, zu einem anderen Anbieter, z.B. zu einem der vier 'Echten', zu wechseln. Ein paar Klicks, Antrag ausfüllen, fertig. Aber es ist eben auch kein Kinderspiel. Die meisten derjenigen, die der Umwelt zuliebe den Stromtarif wechseln wollten, haben doch wieder einen Vertrag bei einem Atomstromkonzern unterzeichnet. Sie haben entweder den Zusammenhang zwischen Ökotarif und Atomstromproduktion nicht sehen können, oder sie wurden absichtlich getäuscht, so die Meinung vieler Kritiker.

Da die vier echten Anbieter nicht viel mehr als die 400.000 Haushalte versorgen können wären weitere lokale regenerative Stromerzeuger extrem wichtig um, wie  zu Beginn der Antiatombewegung in den 70ern von den Graswurzelrevoluzern gefordert, eine Bewegung von unten zu entwickeln. Wie beschrieben werden die insgesamt 15% Marktanteil regenerativer Energien durch Mischproduktion und Zukauf von Zertifikaten aus dem Ausland erreicht, todsicher eine lukrative Geschäftsidee.

Porzer Bürger haben auch die schnelle Möglichkeit eine Wohnung in einer Solarsiedlung, ein Haus mit Blockheizkraft aus Pellet und ähnliches zu beziehen. Auch kann der Handwerker Ihnen ein Angebot machen das Haus entsprechend zu modifizieren, was allerdings mit Kosten verbunden ist.

Thema

Lokale Energiegenossenschaft Regenerative Energie

+++ Porz-Mitte +++